Ressourcenplanung Beispiel: Schritt für Schritt am konkreten Projekt
Jörg Friedrich |

Ressourcenplanung Beispiel: Schritt für Schritt am konkreten Projekt

Zusammenfassung: Dieser Artikel zeigt anhand eines durchgängigen Ressourcenplanung Beispiels, wie ein Ressourcenplan für ein konkretes Projekt entsteht – von der Bedarfsermittlung über die Ressourcenmatrix bis zur Auslastungssteuerung. Ein zweites Kurzbeispiel aus dem Messebau zeigt, dass die Methodik branchenübergreifend funktioniert. Definitionen und Grundlagen finden Sie im Hauptartikel Ressourcenplanung im Projektmanagement.

Warum ein Beispiel mehr sagt als jede Definition

Ressourcenplanung gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Projektplanung. Wer die Theorie kennt, steht trotzdem vor der Frage: Wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Genau das zeigt dieser Artikel – Schritt für Schritt an einem realistischen Projekt.

Das Beispielprojekt: Die fiktive TechNova GmbH, ein mittelständischer IT-Dienstleister mit 120 Mitarbeitern, führt ein CRM-System für einen Großkunden ein. Der Projektsteckbrief:

ParameterWert
ProjektzielEinführung eines CRM-Systems inkl. Datenmigration und Schulung
Laufzeit6 Monate (Januar–Juni)
Budget280.000 €
Teamgröße10 interne + 2 externe Mitarbeiter
Beteiligte AbteilungenEntwicklung, Beratung, QA, Schulung

Ausgangspunkt für die Ressourcenplanung sind der definierte Projekt-Scope und der Projektstrukturplan, der das Projekt in Arbeitspakete zerlegt.

Schritt 1 – Ressourcenbedarf ermitteln

Vom Projektstrukturplan zum Ressourcenbedarf

TechNova hat das CRM-Projekt in fünf Phasen mit insgesamt 18 Arbeitspaketen gegliedert: Anforderungsanalyse, Datenmigration, Backend-Entwicklung, Frontend/UX, Testing und Go-Live mit Schulung. Aus diesen Arbeitspaketen leitet das Projektteam ab, welche Rollen und Sachmittel benötigt werden:

Rollen: Projektleiter (PL), 2 Backend-Entwickler (BE), 1 Frontend-Entwickler (FE), 1 UX-Designer (UX), 1 Datenbankadministrator (DBA), 2 Berater (BER), 1 Tester (QA), 1 Trainer (TR)

Sachmittel: Testumgebung, Staging-Server, CRM-Lizenzen (Entwicklungsumgebung)

Die Ressourcenmatrix – Bedarf auf einen Blick

Die Ressourcenmatrix stellt den geschätzten Aufwand pro Arbeitspaket und Rolle in Personentagen (PT) dar. Sie ist das zentrale Planungsdokument.

ArbeitspaketPLBEFEUXDBABERQATRSumme
Anforderungsanalyse1051530
Datenmigration515205550
Backend-Entwicklung560101085
Frontend & UX310402051088
Testing & QA310553053
Schulung & Go-Live551051540
Summe pro Rolle31100452535356015346

Lesebeispiel: Für die Backend-Entwicklung werden insgesamt 85 Personentage benötigt – davon 60 PT für die beiden Backend-Entwickler, 10 PT für den DBA und 10 PT für QA-Unterstützung.

Diese Matrix bildet die Grundlage für alle weiteren Planungsschritte. Sie beantwortet die Frage: Wie viel Kapazität brauchen wir insgesamt pro Rolle?

Schritt 2 – Verfügbarkeit prüfen und Ressourcen zuweisen

Kapazitäten abgleichen

Bevor Ressourcen zugewiesen werden, prüft die Projektleiterin die tatsächliche Verfügbarkeit. Dabei zeigen sich typische Einschränkungen:

  • Backend-Entwickler A ist parallel in einem Wartungsprojekt gebunden → nur 60 % verfügbar
  • UX-Designerin startet erst ab Februar (vorheriges Projekt läuft noch)
  • DBA hat im März zwei Wochen Urlaub
  • Externer Berater ist vertraglich auf maximal 15 Tage pro Monat begrenzt

Diese Einschränkungen fließen direkt in die Zuweisungsplanung ein.

Ressourcen konkret zuweisen

Die folgende Tabelle zeigt, wer wann wie viel am CRM-Projekt arbeitet – als Prozent der verfügbaren Arbeitszeit:

RolleJanFebMärAprMaiJun
Projektleiter40 %30 %20 %20 %20 %30 %
Backend-Entw. A30 %60 %60 %40 %10 %
Backend-Entw. B20 %80 %80 %50 %20 %
Frontend-Entw.20 %80 %80 %
UX-Designerin50 %60 %40 %
DBA20 %60 %40 %20 %10 %
Berater 180 %40 %30 %
Berater 2 (extern)60 %30 %20 %20 %
Tester20 %40 %80 %30 %
Trainer20 %60 %

Beim Erstellen dieser Zuordnung fällt sofort ein Konflikt auf: Backend-Entwickler A ist im März und April mit 60 % für das CRM-Projekt eingeplant – aber sein Wartungsprojekt beansprucht ebenfalls 50 %. Die Gesamtbelastung liegt bei 110 %.

Lösung: Die Projektleiterin verschiebt einen Teil der Backend-Arbeit vom März in den April. Gleichzeitig beginnt der Tester zwei Wochen früher mit vorbereitenden Testfällen. So entzerrt sich der Engpass, ohne den Projektablaufplan insgesamt zu gefährden.

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Schritt 3 – Ressourcenplan visualisieren

Ein guter Ressourcenplan braucht eine Darstellung, die Engpässe und Leerlauf auf einen Blick sichtbar macht. TechNova erstellt dafür eine Auslastungsübersicht des gesamten Teams:

MonatGeplante PTVerfügbare PTAuslastungBewertung
Januar385569 %🟢 Kapazität frei
Februar525890 %🟡 Gute Auslastung
März6260103 %🔴 Überlastung
April586294 %🟡 Gute Auslastung
Mai556289 %🟡 Gute Auslastung
Juni355564 %🟢 Kapazität frei

Die Übersicht zeigt: Der März ist der kritische Monat. Hier laufen Datenmigration und Backend-Entwicklung parallel – bei gleichzeitigem Urlaub des DBA. Ohne Gegenmaßnahmen droht eine Überlastung mit Qualitätsverlust und Terminverzug.

Die Projektleiterin nutzt die Meilensteine als Kontrollpunkte: Ende Februar (Anforderungen freigegeben), Ende April (Kernfunktionen fertig) und Ende Mai (Testing abgeschlossen). Bei jedem Meilenstein wird der Ressourcenplan mit den tatsächlichen Aufwänden abgeglichen.

Warum Excel hier an seine Grenzen stößt: In einer Tabellenkalkulation muss jede Änderung manuell nachgezogen werden. Verschiebt sich ein Arbeitspaket, müssen alle abhängigen Zuweisungen von Hand angepasst werden. Bei 12 Teammitgliedern und 18 Arbeitspaketen wird das schnell fehleranfällig. Professionelle Projektmanagement-Software zeigt Konflikte automatisch an und simuliert die Auswirkungen von Umplanungen.

Schritt 4 – Auf Änderungen reagieren

Kein Ressourcenplan überlebt den ersten Kontakt mit der Realität unverändert. Im CRM-Projekt von TechNova treten zwei typische Situationen ein:

Szenario 1 – Verschobener Workshop: Der Kunde verschiebt den Anforderungsworkshop um drei Wochen. Die Anforderungsanalyse verzögert sich, und damit verschiebt sich der Start der Datenmigration. Die Projektleiterin nutzt die freie Kapazität im Januar, um die Berater für eine Vorab-Analyse der bestehenden Datenstrukturen einzusetzen. So verkürzt sich die Datenmigration später um eine Woche.

Szenario 2 – Ausfall des DBA: Der Datenbankadministrator fällt im März zwei Wochen krankheitsbedingt aus – zusätzlich zu seinem geplanten Urlaub. Die Projektleiterin reagiert:

  1. Backend-Entwickler B übernimmt die weniger komplexen DBA-Aufgaben (Datenbankschema-Anpassungen)
  2. Die komplexe Datenmigration verschiebt sich um zwei Wochen in den April
  3. Der eingeplante Puffer von 10 % fängt die Verschiebung auf

Nach jedem Meilenstein vergleicht das Team geplante und tatsächliche Aufwände. Beim zweiten Meilenstein zeigt sich: Die Backend-Entwicklung hat 15 % mehr Aufwand als geschätzt. Das Team passt den Ressourcenplan für die verbleibenden Monate an und dokumentiert die Abweichung als Erfahrungswert für künftige Projekte.

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Kurzbeispiel Messebau – Ressourcenplanung in einer anderen Branche

Ressourcenplanung funktioniert branchenübergreifend. Ein zweites Beispiel zeigt die Unterschiede: Die fiktive EventForm GmbH plant einen Messestand auf der Hannover Messe.

Projektsteckbrief: 8 Wochen Laufzeit, Budget 45.000 €, Team: 1 Projektleiter, 2 Schreiner, 1 Grafikdesigner, 1 Elektriker.

ArbeitspaketPLSchreinerGrafikElektriker
Entwurf & Planung5 PT8 PT
Fertigung2 PT20 PT3 PT2 PT
Aufbau vor Ort3 PT6 PT4 PT

Der entscheidende Unterschied zum IT-Beispiel: Sachmittel (Holz, Beleuchtung, Transportfahrzeug) und physische Verfügbarkeit vor Ort dominieren die Planung. Die Schreiner können nur fertigen, wenn das Material geliefert ist. Der Elektriker wird nur punktuell benötigt, muss aber genau dann verfügbar sein.

Die Erkenntnis: Das Prinzip – Bedarf ermitteln, Verfügbarkeit prüfen, zuweisen, steuern – bleibt identisch. Was sich ändert, ist die Gewichtung der Ressourcenarten: im IT-Projekt stehen Kompetenzen und Verfügbarkeit von Spezialisten im Vordergrund, im Messebau die Koordination von Material und physischer Präsenz.

Typische Fehler – und wie das Beispiel sie vermeidet

FehlerIm Beispiel vermieden durch
Multitasking unterschätzenEntwickler A auf 110 % erkannt → Aufgaben zeitlich entzerrt
Puffer vergessen10–15 % Reserve pro Phase eingeplant → DBA-Ausfall aufgefangen
Sachmittel ignorierenTestumgebung und Staging-Server als Ressource eingeplant
Plan nie aktualisierenSoll-Ist-Vergleich bei jedem Meilenstein, Anpassung im April

Häufig gestellte Fragen

Wie erstelle ich einen Ressourcenplan in Excel?

Legen Sie eine Tabelle mit Arbeitspaketen in den Zeilen und Rollen in den Spalten an – wie die Ressourcenmatrix oben. Ergänzen Sie ein zweites Blatt mit der zeitlichen Zuordnung (Monate als Spalten, Auslastung in Prozent). Bedingte Formatierung hebt Überlastungen farblich hervor. Für Projekte mit mehr als 10 Beteiligten oder mehrere parallele Projekte wird Excel allerdings schnell unübersichtlich – hier lohnt sich der Umstieg auf eine Projektmanagement-Software.

Wie sieht ein Ressourcenplan für ein konkretes Projekt aus?

Ein vollständiger Ressourcenplan enthält mindestens: eine Ressourcenmatrix (Arbeitspakete × Rollen × Aufwand), eine zeitliche Zuordnung (wer arbeitet wann woran), eine Auslastungsübersicht und definierte Kontrollpunkte. Das CRM-Projekt in diesem Artikel zeigt alle diese Elemente. Weiterführende Details zu Methodik und Prozess finden Sie im Artikel Ressourcenplanung im Projektmanagement.

Gibt es Vorlagen für einen Ressourcenplan?

Einfache Excel-Vorlagen eignen sich für den Einstieg und kleine Projekte. Sie enthalten typischerweise eine Ressourcenmatrix und eine Auslastungsübersicht. Für die Arbeit mit mehreren parallelen Projekten und geteilten Ressourcen empfiehlt sich eine professionelle Lösung, die Konflikte automatisch erkennt und Szenarien simulieren kann.

Was gehört in eine Ressourcenmatrix?

Eine Ressourcenmatrix stellt Arbeitspakete (Zeilen) den benötigten Rollen (Spalten) gegenüber. In den Zellen steht der geschätzte Aufwand – üblicherweise in Personentagen oder Stunden. Ergänzend können Sie Kompetenzanforderungen und Prioritäten vermerken. Die Tabelle im Abschnitt „Schritt 1” dieses Artikels zeigt ein konkretes Beispiel mit Summenspalten.

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Jörg Friedrich

Senior Advisor

Jörg Friedrich ist der ursprüngliche Autor der Projektmanagement-Software Allegra und begleitet die Entwicklung bis heute. Er hat viele Jahre Industrieerfahrung als Projekt- und Abteilungsleiter. Er ist darüber hinaus als Professor in der Fakultät Informatik und Informationstechnik an der Hochschule Esslingen tätig.

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