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Agile vs. Waterfall: Wann welches Vorgehen passt
Christoph Friedrich | (Aktualisiert: )

Agile vs. Waterfall: Wann welches Vorgehen passt

Zusammenfassung
Agile Vorgehensweisen liefern in kurzen Iterationen und passen, wenn Anforderungen unklar sind oder sich häufig ändern. Waterfall (das klassische, sequenzielle Vorgehen) plant das Projekt vorab durch und passt, wenn Anforderungen stabil und Änderungen teuer sind – etwa im Bau oder in regulierten Branchen. In der Praxis fahren viele Teams hybrid: klassisch geplant, agil umgesetzt.

Agil oder klassisch – kaum eine Frage wird im Projektmanagement so leidenschaftlich diskutiert. Dieser Artikel stellt beide Vorgehensweisen nüchtern gegenüber, gibt eine Entscheidungshilfe – und erlaubt sich am Ende eine kleine Polemik.

Die beiden Vorgehensweisen kurz erklärt

Waterfall (Wasserfall) steht für das klassische, sequenzielle Vorgehen: Anforderungen, Design, Umsetzung, Test und Abnahme folgen als Phasen aufeinander; jede Phase wird abgeschlossen, bevor die nächste beginnt. Wie das im Detail funktioniert, erklärt unser Artikel zum Wasserfallmodell.

Agile Vorgehensweisen wie Scrum oder Kanban arbeiten iterativ: Das Produkt entsteht in kurzen Zyklen (Sprints), nach jedem Zyklus gibt es ein nutzbares Zwischenergebnis und Feedback, das in die weitere Arbeit einfließt. Die Grundlagen dazu finden Sie im Beitrag Agiles Projektmanagement, die Rollen im Artikel Scrum-Rollen.

Agile vs. Waterfall: der Vergleich auf einen Blick

KriteriumAgileWaterfall (klassisch)
Vorgeheniterativ, in kurzen Zyklensequenziell, in Phasen
Anforderungendürfen unklar sein, werden laufend präzisiertmüssen vorab weitgehend feststehen
Planunggrob fürs Ganze, detailliert je Iterationdetaillierter Gesamtplan zu Beginn
Umgang mit Änderungenerwünscht, Teil der Methodeüber Change-Requests, tendenziell teuer
Lieferungnutzbare Inkremente alle 1–4 WochenGesamtergebnis am Projektende
Kundenbeteiligungkontinuierlich (Reviews, Product Owner)vor allem am Anfang und bei der Abnahme
Fortschrittsmessungfertige Inkremente, BurndownMeilensteine, Soll-Ist-Vergleich
Dokumentationso viel wie nötigumfassend (Lastenheft, Pflichtenheft)
Typische EinsatzfelderSoftware, Produktentwicklung, unklare ZieleBau, Anlagenbau, regulierte Branchen

Wann agil, wann Wasserfall?

Die ehrliche Antwort: Es hängt vom Projekt ab – nicht von der Mode. Diese Kriterien helfen bei der Entscheidung:

Agil passt, wenn …

  • die Anforderungen zu Beginn unscharf sind oder sich absehbar ändern,
  • frühe Zwischenergebnisse Wert stiften und Feedback möglich ist,
  • das Team eng mit dem Kunden bzw. Product Owner zusammenarbeiten kann,
  • das Produkt in kleinen Schritten lieferbar ist (typisch: Software).

Waterfall passt, wenn …

  • Anforderungen stabil und vorab klar beschreibbar sind (Lastenheft, Pflichtenheft),
  • Änderungen in späten Phasen sehr teuer oder unmöglich sind (Bau, Hardware),
  • Verträge, Normen oder Behörden eine durchgängige Planung und Dokumentation verlangen,
  • Gewerke nacheinander von verschiedenen Teams erbracht werden.

Der dritte Weg: hybrides Projektmanagement

In der Praxis ist die Entweder-oder-Frage oft falsch gestellt. Hybride Ansätze kombinieren beides: Das Projekt wird klassisch gerahmt – mit Meilensteinen, Budget und Projektstrukturplan –, während die Umsetzung in agilen Iterationen erfolgt. Ein typisches Beispiel: Ein Maschinenbauprojekt folgt dem Phasenmodell, die Steuerungssoftware darin entsteht mit Scrum.

Voraussetzung ist ein Werkzeug, das beide Welten abbildet – Gantt-Plan und Kanban-Board über denselben Daten. Genau dafür sind hybride Projektmanagement-Tools wie Allegra gebaut, die klassisches, agiles und hybrides Vorgehen in einer Plattform unterstützen.

Eine kleine Polemik zum Schluss

Agil leitet sich vom lateinischen “agilis” ab, was wiederum mit “agere” zu tun hat – “tun”, “handeln”, “machen”. Im Deutschen bedeutet agil, beweglich zu sein. Das ist sicherlich eine positive Eigenschaft, und dieses Attribut hat der Methode sehr geholfen. “Agil” ist im westlichen Kulturkreis wesentlich besser konnotiert als das Attribut “extrem”, weswegen “Extreme Programming” auch nie extrem gut verbreitet war.

Die Methodik “agil” zu nennen ist marketingtechnisch so geschickt, wie ein Betriebssystem als “Windows” zu vermarkten. Ist man nicht agil, dann ist man unbeweglich, steif oder doch mindestens behäbig – und muss sich schon fast schämen, wenn man noch nicht oder nicht mehr agil ist. Dabei gilt: Viele Methoden und Praktiken, die heute als agil vermarktet werden – etwa das Kanban-Board –, wurden lange vor der agilen Bewegung erfunden.

Die agile Bewegung hat der Softwareentwicklung und dem Projektmanagement zweifellos positive Impulse gegeben. Trotzdem bleibt ein leichtes Unbehagen, wenn man zu der Spezies gehört, die Requirements Engineering und Design nicht für völlig überholt hält – und die nicht davon zu überzeugen ist, dass man alle zwei Wochen eine neue verkaufsfähige Version eines LKWs veröffentlichen kann.

Agil oder klassisch ist am Ende nicht die richtige Frage: Jenseits aller Dogmatik suchen erfolgreiche Pragmatiker das, was wirklich nützlich ist – und lassen sich von Methoden-Evangelisten kein schlechtes Gewissen einreden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Agile und Waterfall?

Waterfall arbeitet sequenziell: Anforderungen, Design, Umsetzung und Test folgen als abgeschlossene Phasen aufeinander, das Ergebnis kommt am Ende. Agile arbeitet iterativ: Das Produkt entsteht in kurzen Zyklen mit nutzbaren Zwischenergebnissen und laufendem Feedback, Änderungen sind ausdrücklich vorgesehen.

Was ist besser – agil oder Wasserfall?

Keines ist pauschal besser. Agil überzeugt bei unklaren, veränderlichen Anforderungen und lieferbaren Zwischenständen (typisch: Software). Wasserfall überzeugt bei stabilen Anforderungen und teuren Änderungen (typisch: Bau, Anlagen, regulierte Projekte). Entscheidend ist die Passung zum Projekt, nicht der Zeitgeist.

Kann man Agile und Waterfall kombinieren?

Ja – hybrides Projektmanagement ist in der Praxis weit verbreitet: klassischer Rahmen mit Meilensteinen und Budget, agile Umsetzung in Iterationen. Voraussetzung ist ein Werkzeug, das Gantt-Planung und agile Boards über denselben Daten verbindet.

Ist das Wasserfallmodell veraltet?

Nein. Für Projekte mit stabilen Anforderungen, klarer Abfolge und hohen Dokumentationspflichten ist das sequenzielle Vorgehen weiterhin die richtige Wahl. Veraltet ist nur die Vorstellung, ein einziges Vorgehensmodell passe für alle Projekte.

Weitere Informationen

Lesen Sie mehr über Aufwandsschätzung mit Planungspoker und agiles Projektmanagement. Für die Umsetzung: agile Projektmanagement-Software und Projektmanagement-Tools. Vertiefend: agile Prinzipien, agile Werte, agile Praktiken, Scrum-Artefakte, Scrum-Rollen und Scaled Agile Framework.

Christoph Friedrich
Christoph Friedrich

CEO Alltena GmbH

Christoph Friedrich ist Informatiker und zertifizierter Project Management Professional. Er hat viel Erfahrung mit der Einführung und Integration von Projektmanagement-Werkzeugen sowie der Analyse und Definition von Prozessen im Projekt- und Service-Management.

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